Haveltour 2008

Wir - Klaus und Jürgen - treffen uns am Mittwoch, 3. September um 8:00 Uhr im Bootshaus. Unser Ziel bis zum Sonntag: Havelberg. Nachdem die Boote gepackt sind, geht es über wohl bekannte Gewässer nach Potsdam und durch den Judengraben an Herrmanswerder vorbei nach Werder. An diesem Werktagmorgen mit bedecktem Himmel haben wir die Havel fast für uns alleine. Wir machen uns gegenseitig auf Anlegemöglichkeiten, Badestellen, Gaststätten und Eisdielen entlang der Route aufmerksam.

Von Werder führt die Fahrt über die Potsdamer Havel bis zur Einmündung in den Sakrow-Paretzer Kanal. Hier kennt Klaus eine Zeltmöglichkeit auf einer Landzunge mit Aussicht in drei Himmelsrichtungen. Wir bauen hier unser Zelt auf und paddeln dann den Kilometer zur Anlegestelle der Ketziner Fähre hinüber. Gerade als wir hier im Restaurant Platz nehmen, setzt der erwartete Regen ein. Eine Regenpause nutzen wir für die Rückfahrt und kriechen - nach 40 Paddelkilometern – müde aber glücklich ins Zelt.

Der zweite Tag soll uns bis zur Stadt Brandenburg führen. Der Regen der Nacht hat aufgehört und es zeigen sich blaue Flecken am Himmel, aber wir müssen ein nasses Zelt einpacken. Die Havel fließt zwischen Ketzin und Brandenburg in vielen Schleifen und wir starten über den nördlichen Nebenarm, der an der Promenade von Ketzin vorbeiführt. Dabei entdecken wir den Ferienhof Havelblick, der übernachtungsmöglichkeiten in Zelt und Bett offeriert.

Es bieten sich aber auch fast unbegrenzte Möglichkeiten an, am Ufer anzulanden und zu campieren. Wir paddeln über den Trebelsee und scheuchen dabei Schwärme von Wildgänsen und anderen Zugvögeln auf, die sich dort sammeln. Bei Klein Kreutz entschließen wir uns zu einem weiteren Umweg über die Krumme Havel. Sie ist stark verkrautet, aber für Paddelboote gut befahrbar. Die Landschaft erinnert uns hier an den Nationalpark Oderbruch. In Brandenburg erfahren wir, dass der in unseren Karten und Routenbeschreibungen ausgewiesene Campingplatz in der Altstadt nur ein vollständig gepflasterter Abstellplatz für Wohnmobile ist.

Wir erkundigen uns beim Wärter der Stadtschleuse - nur dort werden Sportboote geschleust - nach einer Übernachtungsmöglichkeit und er empfiehlt uns den Kanuklub der Freien Wasserfahrer 1925 einige hundert Meter unterhalb der Schleuse. Wir landen dort an und finden schließlich die Telefonnummer eines Ansprechpartners heraus. Ja, wir können dort unser Zelt aufbauen, aber es gibt an diesem Tag keinen Zugang zu dem Schlüssel für die Sanitäreinrichtungen. Auch am nächsten Morgen taucht kein Verantwortlicher auf. Bei einem Stadtbummel finden wir heraus, dass es neuerdings vom Brandenburger  Stadtkanal aus eine Bootsschleppe gibt, die ohne den Umweg über die Stadtschleuse ein bequemes übersetzen auf die Brandenburger Gewässer ermöglicht.

Unser Ziel am Freitag ist der Biwakplatz in der Nähe der Jugendherberge von Milow, bei
Premnitz etwa einen Kilometer aufwärts der Stremme, südlich der Havel, gelegen. Auf der
Havel geht die Fahrt bis zum Breitlingsee flott voran, dann aber geraten wir in den Quentzsee
und müssen, als wir unseren Fehler bemerken, umkehren, um durch den Plauer See nach
Westen zur Havel zu gelangen. Es ist heute windstill, aber wir können uns vorstellen, dass ein kräftiger Westwind Paddlern sehr zu schaffen machen würde. Wir sind uns einig, dass „unser" Revier doch attraktiver ist, als die von Industrieanlagen gesäumten Brandenburger Seen.

Wir legen am Campingplatz Margaretenhof an, um zu frühstücken und unsere Wasser- und Proviantvorräte zu ergänzen. Von dort aus geht die Fahrt auf der Havel, die sich immer wieder zu kleineren Seen erweitert, nach Norden. Auch hier finden sich reichliche Anlege- und übernachtungsmöglichkeiten. Eine überraschung erwartet uns an der Schleuse Bahnitz: die Sportbootschleuse wird im Zuge des „Verkehrsprojektes der deutschen Einheit 17" erneuert und ist nicht benutzbar. Nun aber hat uns der Ehrgeiz gepackt: statt zur Hauptschleuse zurückzukehren, die während der Bauzeit auch Sportboote schleust, wollen wirüber die Baustelle umtragen, was uns schließlich mehr schlecht als recht auch gelingt.

Nach weiteren 7 Kilometern haben wir die Einmündung der Stremme in die Havel erreicht; hier biegen wir ab. Im Vorbeipaddeln entdecken wir ein Restaurant mit einer idyllisch über dem Fluss gelegenen Terrasse und nehmen uns vor, hier einzukehren, sobald wir das Zelt aufgebaut haben. Der schön gelegene Biwakplatz gehört uns allein. Allerdings ist die Toilette vernagelt; es hat ärger gegeben, wie wir später in auf unserem „Landgang" zum Restaurant erfahren. In der Nacht hören wir gedämpft das Gewummere der Disko am anderen Ende des Platzes; von Besuchern bleiben wir aber (weitgehend) verschont.

Am Samstagmorgen stößt Ursel zu uns. Wir haben das Zelt schon abgebaut und Klaus hat süße Brötchen besorgt, die wir gemeinsam verzehren. Zügig legen wir jetzt zu dritt die 10 Kilometer bis Rathenow zurück. Wir beschließen, dort über das Wehr neben der Hauptschleuse umzutragen, statt 2 Kilometer Umweg über die die Sportbootschleuse in Kauf zu nehmen. In Grütz - rund 10 Kilometer hinter Rathenow - lassen wir uns schleusen; ein Anruf genügt. Motorboote sind während der gesamten Tour selten, aber eins der beiden, die die Schleuse flussaufwärts verlassen, hat es so eilig, dass wir einen Schwall Wasser ins Boot nehmen.

Rund 12 Kilometer sind es noch bis zu unserem Tagesziel Strodehne. Bei Molkenberg verlassen wir den Hauptstrom und paddeln in den schwer zu erkennenden
Abzweig zur östlich verlaufenden Gülpener Havel. Hinter der Selbstbedienungsschleuse
beginnt sie als ein naturwüchsiges, stark verkrautetes Wiesenflüsschen, das uns zu unserem Etappenziel führt. Strohdehne bietet gegen eine bescheidene Gebühr einen gepflegten Biwakplatz mit komfortablen sanitären Einrichtungen. Im nahe gelegenen Gasthaus lassen wir unsüppig und preisgünstig verpflegen.

Hinter Strohdehne wendet sich die Havel nach Westen, um schon nach rund 15 Kilometern
Havelberg zu erreichen. Schon von weitem ist in der flachen, einsamen Landschaft die
Backsteinfassade des Doms zu erkennen. Wir landen an einem kleinen Strand der Altstadt
unterhalb der Laurentiuskirche. Nach einer Jause machen wir uns auf die Suche nach einem Taxi, das uns zu unserem Auto in Milow bringen soll.

Die Suche erweist sich als schwierig, denn in Havelberg ist Pferdemarkt, ein regionales Großereignis, von dem wir nichts ahnten. Aber schließlich haben wir Erfolg, und es gelingt uns auch, die Zweifel des Taxifahrers an unserer Solvenz auszuräumen. Zurück in Havelberg packen wir die drei Boote aufs Dach – es geht doch! – dann klettern wir die Stiegen hinauf zur obligaten Dombesichtigung. Wir stärken uns mit Kaffee und Kuchen und rollen heimwärts.